Es ist angerichtet. Die Canadian Championship findet ihren Höhepunkt in einem Finale, das auf dem Papier kaum reizvoller sein könnte: CF Montreal trifft auf die Vancouver Whitecaps – zwei Mannschaften, die sich in diesem Wettbewerb bereits einmal gegenüberstanden, und die ihren Weg bis hierher auf denkbar unterschiedliche Weise gefunden haben.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen zwei Männer an den Seitenlinien. Auf der einen Seite Christian J. Schmidt, der Trainer von CF Montreal, dessen Mannschaft den Ruf hat, in der Offensive jederzeit für Tore gut zu sein. Auf der anderen Seite Sir Topse, dessen Vancouver Whitecaps eine bemerkenswerte Entwicklung genommen haben und sich mit wachsendem Selbstvertrauen in dieses Endspiel gespielt haben. Es ist ein Duell zweier Handschriften, und genau das macht den besonderen Reiz dieses Finales aus.
Schmidt weiß, dass seine Elf das nötige Rüstzeug besitzt, um jede Abwehr vor Probleme zu stellen. Die Frage, die über dem Montrealer Spiel schwebt, ist eine alte: Reicht die Offensivkraft, wenn es hinten einmal eng wird? In einem Endspiel, in dem ein einziger Fehler über den Titel entscheiden kann, ist Stabilität oft wertvoller als spektakuläre Angriffe. Schmidt dürfte seine Mannschaft entsprechend einstellen – mutig nach vorne, aber mit deutlich mehr Disziplin in der Rückwärtsbewegung, als man es zuletzt von Montreal gesehen hat. Gelingt ihm dieser Spagat, ist seinem Team alles zuzutrauen.
Sir Topse hingegen reist mit dem Rückenwind eines Teams an, das gelernt hat, sich durch schwierige Phasen zu kämpfen. Seine Whitecaps haben in diesem Wettbewerb bewiesen, dass sie zurückschlagen können, dass sie auch dann Tore erzielen, wenn der Gegner vorlegt. Diese Mentalität ist im Finale Gold wert. Topse wird darauf setzen, Montreal früh unter Druck zu setzen und die bekannten Schwächen des Gegners im eigenen Drittel gnadenlos auszunutzen. Wenn seine Mannschaft die Konzentration über die volle Distanz hält, geht sie als verdienter Anwärter auf den Titel in dieses Spiel.
Sportlich trennt die beiden Finalisten wenig. Beide können Tore schießen, beide haben in diesem Wettbewerb gezeigt, dass sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. Der entscheidende Unterschied dürfte in der Tagesform liegen – und in der Frage, welcher der beiden Trainer sein Team an diesem einen, alles entscheidenden Abend besser einstellt. Christian J. Schmidt und Sir Topse wissen beide: Im Finale gibt es keine zweite Chance, keinen weiteren Spieltag, kein Aufholen mehr. Es zählt nur dieses eine Spiel.
Wenn der Anpfiff ertönt, sind alle Vorzeichen, alle Tabellen und alle bisherigen Ergebnisse Geschichte. Dann geht es nur noch um den Titel der Canadian Championship – und um die Frage, welcher Name am Ende auf dem Pokal stehen wird.