
Von Sport kann schon längst nicht mehr die Rede sein. Vielmehr ist es eine Religion, ein Kult, eine spirituelle Erfahrung der ganz besonderen Art. Die Zuschauer schauen nicht nur zu, sie leiden, feiern und fiebern mit der Mannschaft, die sich auf dem Fußballplatz gegen ihren Gegner zur Wehr setzt. Im Stadion sind alle Menschen gleich, sie sind alle Anhänger ihrer Mannschaft, alle Teil des Ganzen. Am Fußballabend vergessen sie, woher sie kommen oder welchen Beruf sie ausüben. Sie sind einzig und allein Fans, die ihre Mannschaft anfeuern. Nein, sie sind die Mannschaft. Dies macht ihr Wesen, ihre Existenz, ihre Identität aus. Es gibt keine Welt außerhalb des Fußballstadions mehr. Es gibt nur noch die Zuschauer und die Mannschaft. Sie schauen nicht Fußball, sie sind Fußball. Sie gehören nicht zu einem Verein, sie sind der Verein. Die Werte des Vereines werden zu ihren Werten. Die Geschichte des Vereins zu ihrer Geschichte. Die Identität des Vereins zu ihrer Identität. Der einzelne Mensch, das Individuum, löst sich in dieser Masse, im Kollektiv, auf.