
#321, Saisonabschluss und Ausblick, Liga MX 2023-2 – ZAT 1
Speedy Gonzales, Necaxa
Vorab Congratulaciones an Wasserlasser, den neuen Titelträger aus Guadalajara! In der nächsten Saison wird es einen Jäger mehr auf diesen Titel geben, eine Verteidigung somit noch schwerer. Und an den Pokalfinalisten Schnittmaschinesyro: Muchas Gracias für Glückwunsch und Wertschätzung! Dem Mäuserich wird bewusst sein, dass diese Pokaltaktik nicht wiederholbar und das nächste Finale somit spannender sein wird. Dieses Mal kam seine Kühnheit zum Vorschein, das nächste Mal wird es eine andere dominierende Eigenschaft sein, die der Konkurrenz das Fürchten lehren soll – so die Vorstellung eines mäßig gelaunten Pokalsiegers.
Im Siegestaumel des Pokalsieges mäßig gelaunt deswegen, weil der Mäuserich kürzlich erfahren musste, dass auch in der Rolle als Entrenador das klassische physikalische Gesetz der Schwerkraft gilt und nicht nur aktive Spieler auf dem Platz bei Zuwiderhandlung mit Schmerz &Verletzung bestraft werden können. Gonzales‘ erster Gedanke hierzu: „Wer hat nur dieses teuflische Gesetz verabschiedet?“ Man möchte ihm entgegnen: „Isaac Newton war‘s!“ Aber Gonzales‘ Antwort würde daraufhin nur lauten: „Newton? Was für‘n Arsch – seine Partei werde ich in Zukunft ganz sicher nicht mehr wählen ….“ Also stellt sich diese Frage besser erst gar nicht.
Doch der Pokalsieg hat Folgen für Gonzales. Der Mäuserich ist hier in Mexico angetreten, um dort einzuspringen, wo Not am Mann, äh, an der Maus ist. Und mit 6 freien Vereinen hatte diese Liga damals den größten Bedarf. Er versteht seinen Einsatz hier auf diesem Kontinent als den eines Wandervogels, wollte sich zur neuen Saison eine neue Herausforderung in einer anderen Liga mit Bedarf suchen. Brasilien hätte sich angeboten. Allerdings gehört es sich nicht, einen Titelverteidiger im Stich zu lassen und der Konkurrenz die Revanche zu stehlen. Und so entscheidet sich Gonzales den bevorstehenden Wechsel zu verschieben und sich der Meisterschafts- und Pokalkonkurrenz mit Stolz erfüllter Brust zu erwehren. Ein erarbeiteter Titel schreit nach Verteidigung, so einer der Grundsätze, die Gonzales Saison für Saison antreiben. Damit einher geht somit auch die Berechtigung die eigenen Landesfarben international vertreten zu dürfen – eine zuteil gewordene Ehre, die nicht geteilt werden kann.
Eine Frage hingegen wird Entrenador Gonzales noch länger beschäftigen: „Wie gehen die Uhren hier in Mexico?“ In Deutschland änderte sich für ihn nix. In England musste er lernen, die Anstoßzeiten, vor allem die Ergebnisberichte der Zeitverschiebung wegen eine Stunde später und an nicht zu erwartenden Orten zu registrieren. In Mexico hingegen kennzeichnen sich erstere durch äußerste Flexibilität: Egal welche Terminierung alternativ angesetzt wurde, es galt stets die alte. Und Ergebnisse zogen sich häufiger wie Kaugummis – sie kamen ähnlich wie er es von Bussen in Beijing gewohnt war: ja, aber nicht nach Plan, vor allem nicht nach seinem Plan, der dadurch häufiger zu wanken drohte. Es fehlt Gonzales noch etwas der Zugang zu den Sitten in seiner alten Heimat, etwas Anpassungsvermögen, etwas Grobschlächtigkeit, etwas Muße und Geduld. Das sollte durchaus erlernbar sein ….


